Aus dem All gut zu sehen
Die Ausdehnung des Sargassum-Gürtels ist so beträchtlich, dass er „breit genug ist, um aus dem Weltraum verfolgt zu werden.“ Die Masse zieht sich vom Golf von Mexiko über die Karibik bis fast an die Küsten Westafrikas, darunter Cabo Verde, Senegal und Brasilien. Fischer, Meeresbiologen und Forscher beobachten das Phänomen genau, denn sein Auftreten hat sich seit etwa 2011 dramatisch zugenommen.
An Bord von Forschungsflugzeugen wirkt der Atlantik „seltsam schmutzig“: Die sonst endlosen blauen Flächen werden immer wieder von einem dicken, braunen Band durchzogen. Dieses riesige Seegras-Phänomen breitet sich über Tausende von Kilometern aus und zeichnet ein beunruhigendes Bild für die Zukunft der Meeresökosysteme.
Warum das passiert und was es für die Wirtschaft bedeutet
Dieser menschengemachte ökologische Wandel hat mehrere Ursachen: erwärmtes Wasser, Düngemittelauswaschungen – etwa vom Amazonas – und veränderte Meeresströmungen. Zusammen haben diese Faktoren ein „perfektes Rezept“ für das übermäßige Wachstum dieser Alge geschaffen.
Für die lokalen Gemeinschaften sind die Folgen gravierend. Strände sind mit Tonnen von Sargassum bedeckt, was den Tourismus stark trifft. Hotels und kleine Unternehmen kämpfen mit Stornierungen; Urlauber ändern spontan ihre Pläne, wenn sie auf braune, schlecht riechende Strände stoßen. Auch die Fischer sind betroffen: Sie brauchen andere Ausrüstung und neue Routen, weil traditionelle Fangplätze verstopft sind.
Probleme für Umwelt und Gesundheit
Nicht nur der Tourismus leidet – auch die Meeresökosysteme kommen unter Druck. Die dicken Matten blockieren Licht und stören den Sauerstoffhaushalt, was ökologische Kettenreaktionen verursacht, die Wanderungsrouten verschiedener Tierarten verändert. Angeschwemmtes Sargassum setzt beim Verrotten Schwefelwasserstoff frei (H2S), der in hohen Konzentrationen Augen- und Lungenerkrankungen auslösen kann, besonders bei Kindern und älteren Menschen.
In Regionen wie Cabo Verde berichten Anwohner von einem täglichen Kampf mit der Alge: Der beißende Geruch verschlechtert die Lebensqualität, Boote sitzen in Häfen fest, und Hotelpersonal verbringt Stunden mit Reinigungsteams, um die Strände wieder nutzbar zu machen.
Was man dagegen tun kann
Küstengemeinden antworten mit verschiedenen, oft innovativen Ansätzen. Physische Barrieren und schnelle Aufräumteams gehören zu den ersten Maßnahmen. Andere Orte testen Kompostierung und die Verarbeitung von Sargassum zu Ziegeln, Biobrennstoffen und Tierfutter. Frühwarnsysteme und Investitionen in kleinere Verarbeitungsanlagen werden ebenfalls erprobt.
Ein Meeresökologe, der mit Senegal und Brasilien vertraut ist, bezeichnet das Phänomen als eine „Ressource der Klima-Ära“, die nur am falschen Ort auftritt. Die Herausforderungen sind groß, aber es zeigt sich, dass gezielte Maßnahmen einen Umgang mit dem Sargassum-Problem ermöglichen können.
Der Sargassum-Gürtel ist eine ständige Mahnung und zugleich ein Spiegel unserer Einflüsse auf die Meereswelt. Die betroffenen Gemeinschaften stehen vor der Aufgabe, sich schnell an die neuen Gegebenheiten anzupassen, und sie demonstrieren, wie Anpassungsmaßnahmen und internationale Zusammenarbeit helfen können, die Folgen einzudämmen. Dieses Problem, das bis ins All sichtbar ist, verlangt eine globale Antwort angesichts der sich wandelnden Planetenbedingungen.