So lief die intensive Hafer-Diät
In der Hauptstudie hielten sich Menschen mit metabolischem Syndrom an ein strenges, kalorienarmes Diätregime, das nahezu ausschließlich aus Hafer bestand. Über einen Zeitraum von zwei Tagen aßen die Teilnehmer drei Mahlzeiten täglich, bestehend aus insgesamt 300 Gramm Hafer, der in Wasser gekocht wurde, mit minimaler Ergänzung durch Obst oder Gemüse. Das führte zu einer Kalorienzufuhr, die etwa 50 % des normalen Bedarfs entsprach.
Die Resultate waren auffällig: Der durchschnittliche LDL-Cholesterinwert (oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet) sank um 10 %, und die Teilnehmer verloren im Durchschnitt 2 kg. Auch der Blutdruck ging leicht zurück, und die positiven Effekte auf den Cholesterinspiegel hielten sogar sechs Wochen nach der Haferkur an. Diese Effekte kamen der Wirksamkeit einiger Medikamente näher, was das Potenzial gezielter Ernährung zur Verringerung solcher Krankheitsrisiken zeigt.
Warum das Mikrobiom hier eine Rolle spielt
Der Schlüssel zu diesen Effekten liegt im Darmmikrobiom. Der Haferkonsum führte zu einer Zunahme günstiger Darmbakterien, die Haferfasern zu phenolischen Verbindungen wie Ferulasäure abbauen. Frühere Tierstudien zeigten, dass Ferulasäure den Cholesterinmetabolismus positiv beeinflussen kann.
Zusätzlich hilft das Mikrobiom beim Abbau der Aminosäure Histidin. Wenn Histidin nicht abgebaut wird, kann es zu Stoffen umgewandelt werden, die die Insulinresistenz fördern — ein zentrales Merkmal von Typ‑2‑Diabetes. Durch die Veränderung des Mikrobioms verbessert Hafer also sowohl den Cholesterin- als auch den Zuckerstoffwechsel.
Ein Blick zurück und andere Ansätze
Die medizinische Nutzung von Hafer ist nicht neu. Bereits vor über 100 Jahren setzte der deutsche Arzt Carl von Noorden Hafer zur Behandlung von Diabetes ein, eine Praxis, die mit dem Aufkommen moderner Medikamente weitgehend in Vergessenheit geriet. Die Bonner Studie bestätigt jedoch das Potenzial dieses Ansatzes.
Neben der intensiven zweitägigen Kur testeten die Forschenden auch eine mildere Strategie: Über sechs Wochen konsumierten Teilnehmer täglich 80 Gramm Hafer, ohne weitere diätetische Einschränkungen. Diese mildere Variante brachte nur geringe Verbesserungen, was darauf hindeutet, dass eine intensive kurzfristige Diät effektiver sein kann als eine moderate, langfristige Zufuhr.
Was das praktisch bedeutet und was noch zu klären ist
Die Forscher der Universität Bonn schlagen vor, periodisch wiederholte Haferkuren als praktische Methode zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Reduzierung des Diabetesrisikos zu erwägen. Ob die regelmäßige Wiederholung der Diät — etwa alle sechs Wochen — einen anhaltenden präventiven Effekt erzielt, bleibt jedoch offen.
Hafer ist kein Allheilmittel, dennoch zeigen die Ergebnisse, wie wirksam gezielte Ernährungsinterventionen sein können — teilweise schon innerhalb von 48 Stunden. Diese Befunde sprechen dafür, Ernährung weiter zu erforschen und als unterstützenden Ansatz in Prävention und Behandlung des metabolischen Syndroms zu nutzen.