Woher ihre Gene stammen
Die Forscher wollten herausfinden, wie Abstammung das Altern beeinflusst. Dafür verglichen sie die DNA von 333 Hundertjährigen (Zentenerianer) mit der von 690 jüngeren Erwachsenen. Im Mittelpunkt stand die westliche Jäger‑Sammler‑Abstammung, speziell das Villabruna‑Cluster (ein genetisches Muster, das vor etwa 14.000 Jahren in Italien vorkam). Um präzise Aussagen zu treffen, bezogen die Wissenschaftler DNA‑Profile anderer alter Populationen mit ein, darunter Bauern und Steppe‑Hirten.
Welche Gene mit langer Lebenszeit zusammenhängen
Mehrere Analysen zeigten, dass die Hundertjährigen häufiger genetische Merkmale der westlichen Jäger‑Sammler trugen — das erhöhte die Wahrscheinlichkeit für Langlebigkeit um 38 %. Diese Assoziation beruht auf bestimmten DNA‑Varianten, die unter den harten Bedingungen der Eiszeit Überlebensvorteile brachten. Solche genetischen Ausprägungen könnten heute helfen, Entzündungen entgegenzuwirken und das sogenannte „Inflammaging“ (chronisch-leichte Entzündungsreaktionen im Alter) zu reduzieren.
Was die Biologie dazu sagt
Die Epigenetik spielte in der Studie eine wichtige Rolle. Diese chemischen Markierungen können das Verhalten von Genen verändern und damit möglicherweise die Lebensdauer beeinflussen. Die Forscher verfolgen die Hypothese, dass kleine Unterschiede in der vererbten DNA beeinflussen, wie der Körper mit Stress und Infektionen umgeht. Fünf Schlüsselwege, die wiederholt mit Langlebigkeit verbunden wurden, zeigen die Komplexität: Menschliche Langlebigkeit beruht nicht auf einem einzigen Gen, sondern auf mehreren biologischen Pfaden.
Besonders auffällig bei Frauen
Auffällig ist, dass in Italien fast 83 % der 23.548 über 100‑Jährigen Frauen sind. Der Effekt der westlichen Jäger‑Sammler‑Abstammung war bei Frauen besonders stark ausgeprägt. Für aussagekräftige Resultate bei Männern sind weitere Untersuchungen nötig, denn der aktuelle Datensatz hatte nicht genügend statistische Power, um verlässliche Aussagen zur männlichen Kohorte zu liefern.
Herausforderungen bei der Studie
Die Forschenden standen vor praktischen Hürden, etwa der Gewinnung alter Proben und der Notwendigkeit, Störfaktoren wie Ernährung oder Gesundheitsversorgung zu berücksichtigen. Moderne Methoden wie die Paläogenomik (Vergleich prähistorischer Genome mit heutigen) machten solche Vergleiche erst möglich. Die Wissenschaftler führten umfangreiche Tests durch, um die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse zu stärken, weisen aber darauf hin, dass weitergehende Laborstudien nötig sind, um die genauen biologischen Mechanismen zu klären.
Dieses wegweisende Projekt an der Universität von Bologna zeigt, dass die Wurzeln menschlicher Langlebigkeit weit zurückreichen. Es eröffnet neue Blickwinkel für die Untersuchung genetischer Einflüsse auf das Altern. Weitere Forschungen sind nötig, um die komplexen biologischen Prozesse vollständig zu verstehen, doch die Studie verbindet auf faszinierende Weise unsere Vergangenheit mit bestimmten genetischen Merkmalen der Zukunft.