Wie die M/V Marinera gestellt wurde
Die Marinera, früher “Bella 1”, ist ein russisch flaggierter Öltanker, der offenbar auf riskanter Fahrt aus Venezuela war. Nach mehr als zweiwöchiger Verfolgung über den Atlantik stoppte die US-Küstenwache das Schiff schließlich im Nordatlantik mit dem Cutter USCGC Munro. Die Beschlagnahme basierte auf einem Haftbefehl eines US-Bundesgerichts und wurde vom U.S. European Command bestätigt. Versuche Russlands, die US-Interdiktionsaktion zu verhindern (darunter Eskortierungsversuche durch ein russisches U-Boot und andere Marineeinheiten), scheiterten.
Bei der Verfolgung kamen drei U-28A Draco ISR-Flugzeuge der U.S. Air Force zum Einsatz, die entlang der Küsten Englands und Schottlands operierten. Diese Flugzeuge sind modifizierte Pilatus PC‑12 (bekannt dafür, auch von kleinen Flugplätzen aus zu operieren) und lieferten taktische Unterstützung. Das U.S. European Command dankte während des Einsatzes der Royal Air Force für ihre Hilfe.
Die „staatenlose“ M/T Sophia: was sie getan hat
Die M/T Sophia, ein sanktionierter Tanker, war Teil einer sogenannten “dark fleet” und verfügte über keine nationale Registrierung. Sie transportierte ca. 317.974 m³ Merey‑Rohöl aus Venezuela. Die Aktion lief im Rahmen der SOUTHCOM‑Operation “Southern Spear” (SOUTHCOM = U.S. Southern Command) und führte zur Beschlagnahme des Schiffs. Die USA sehen das Schiff als Bestandteil einer “venezolanischen Schattenflotte”, die sanktioniertes Öl befördert. Nach Einschätzung von Emmanuel Belostrino (Analyst bei Kpler) könnte die Sophia schon seit mehreren Jahren in solche sanktionierten Handelsaktivitäten verwickelt sein.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte, die USA prüften mögliche strafrechtliche Folgen für die Besatzung. Die Operation spiegelt laut US-Verteidigungsministerium den Willen wider, illegale Aktivitäten in der westlichen Hemisphäre zu unterbinden und die regionale Sicherheit zu stärken.
Reaktionen aus dem Ausland und die rechtliche Lage
Die US-Aktion in internationalen Gewässern löste heftige Reaktionen aus, vor allem aus Russland. Das russische Verkehrsministerium verwies auf die UN‑Seerechtskonvention (UNCLOS) von 1982 und betonte, dass kein Staat Gewalt gegen ordnungsgemäß registrierte Schiffe anderer Nationen anwenden dürfe. Der russische Abgeordnete Leonid Slutsky nannte die Beschlagnahme “Piraterie des 21. Jahrhunderts”. Die USA haben UNCLOS dagegen nicht unterzeichnet, was die rechtlichen Spannungen zwischen beiden Seiten weiter verschärft.
Diese Vorfälle zeigen, wie komplex und riskant die Durchsetzung internationaler Sanktionen und die Bekämpfung illegaler Handelsaktivitäten sein können. Der Fall macht deutlich, dass internationale Zusammenarbeit nötig ist, um die maritime Sicherheit zu stärken und den Handel über Seewege zu schützen. Langfristig wird die fortlaufende Kooperation zwischen Staaten entscheidend sein, um Handelsrouten sicher zu halten und rechtliche Standards durchzusetzen.